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FAIRCONOMY-Newsletter 98

- INWO-Mitgliederversammlung in Gotha

- Der Wohlstand der Kommunen

- Wirtschaftsprobleme Europas

- Besteuerung von Ressourcenverbrauch

- Schweizer Zeitungsarchive im Netz

1. Aktuelles

Fairconomy in der „Gastwirtschaft“

Ökonomen enthüllen 200 Jahre alten Trick: Warum Grundbesitzer immer gewinnen ist der am 04.03. erschienene Artikel von INWO-Referent Klaus Willemsen überschrieben - obwohl er laut Autor eigentlich „Der Wohlstand der Kommunen“ heißen sollte. Trotz des „klick-ködernden“ Titels ein lesenswerter Artikel!

INWO.de & Co

In Europas Geldpolitik muss sich an der Realität ausrichten (3. Februar) beleuchtet Klaus Willemsen Schwachstellen und blinde Flecken der öffentlich geführten Diskussion über die Wirtschaftsprobleme Europas.

In der INWO-verwandten Zeitschrift für Sozialökonomie sind (online) kürzlich zwei neue Rezensionen erschienen, von Markus Henning und Alwine Schreiber-Martens:

  • Andreas W. Hohmann (Hrsg.): „Sich fügen heißt lügen“ – Erich Mühsam in Oranienburg. Tagungsband
  • Vandana Shiva: Die Natur der Natur – Klimazerrüttung: eine Stoffwechselstörung

2. Termine

30. Mai, Gotha (Thüringen): INWO-Mitgliederversammlung. Die Mitgliederversammlungen sind traditionell von einem Treffen der Aktiven eingerahmt. Entsprechend übernachten viele Teilnehmer von Freitag bis Sonntag am Ort der Mitgliederversammlung, diesmal die Jugendherberge Gotha. Wer Interesse an Mitarbeit und persönlichem Austausch hat, melde sich bei inwo@inwo.de oder einer anderen Kontakt-Möglichkeit!

9. Oktober, Berlin: Geld-Symposium, wo verschiedene Geldreformer ihre Ideen zur Diskussion stellen. Letztes Jahr war hier INWO-Mitstreiter Christian Gelleri auf dem Podium.

Auch die Fairconomy-Tagung 2026 der Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung soll in Berlin stattfinden.

Film- und Buchtipps

Marc-Uwe Kling: Quality Land (1.6)

Ullstein 2017, 372 Seiten, ISBN 978-3-550-05023-7

Eine satirische Dystopie (Wikipedia)

In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Digitalisierung alle Lebensbereiche voll durchdrungen. Algorithmen erkennen automatisch die Wünsche der Menschen und liefern entsprechend Waren aus, noch bevor diese bewußt bestellt wurden. Die Partnerwahl erfolgt ebenso automatisch anhand von komplementären Nutzerprofilen. Selbst die Beendigung von Beziehungen übernimmt die „QualityPartner“-App. Und für die Präsidentschaft kandidiert ein Androide, der nicht einmal unsympathisch ist.

Das Buch hat höchsten Unterhaltungswert. Und: Marc-Uwe scheint „einer von uns” zu sein, denn er läßt den kandidierenden Androiden auf die Frage, was er denn gedenke, in Zukunft zu verändern, unter anderem antworten: „Ein dauerhafter Negativzins zum Beispiel, der Geld dem unproduktiven Finanzmarkt entzieht und wieder der Produktivwirtschaft zur Verfügung stellt. … Die Besteuerung von Ressourcenverbrauch, um externe Kosten zu internalisieren. Und ich tendiere zu einer weitgefassten Definition von Ressourcen. Saubere Luft, sauberes Wasser, Land und …”

Das Schöne ist, dass man nicht auf eine Fortsetzung warten muss. Sie ist schon da:

Quality Land 2.0, Ullstein 2020

4. Interessantes aus Netz und Medien

Die DPA hat mal wieder eine Meldung zur Vermögensverteilung in Deutschland herausgebracht. Bei der Berliner Zeitung heißt das dann „Trotz Rekordvermögen: Immer mehr Deutsche ohne finanzielle Reserve“ (7. März). Interessanter als das stetige Anwachsen der Vermögenssumme, was einfach eine mathematisch-logische Folge der üblicherweise positiven Verzinsung von Vermögen ist. Im Artikel steht, bei den vermögendsten zehn Prozent „mehrt sich das Vermögen kräftiger, weil sie im Schnitt stärker in Aktien und Fonds investieren als ärmere Haushalte“. Es ist zwar richtig, dass die relative „Selbst-Vermehrung“ bei Aktienvermögen in der Regel etwas über der von Sparbüchern liegt (bei gleichzeitig größerem Verlustrisiko), aber Hauptgrund dafür, dass die absoluten Zuwächse der Reichsten viel höher sind, ist wohl eher das viel größere Ausgangsvermögen.

Interessantere Daten zur Vermögensverteilung versteckt die Berliner Zeitung in einem Artikel hinter der „Bezahlschranke“ (Millionen Ostdeutsche armutsgefährdet: Ein Bundesland stürzt besonders dramatisch ab, immerhin mit schönem Bild „davor“). Allerdings kann man auch einfach bei der Bundesbank (Monatsbericht April 2025) nachlesen, dass aktuell in Deutschland das mittlere Haushaltsvermögen (Median) bei ziemlich genau 100.000 € liegt, das durchschnittliche Vermögen aber (wegen der starken Ungleichverteilung) schon über 300.000 € beträgt...

Umfangreiche Archive zahlreicher Schweizer Zeitungen lassen sich jetzt online durchsuchen... zum Beispiel nach „Silvio Gesell” (der immerhin einige Jahre in der Schweiz lebte und wirkte). Schon vor über 100 Jahren, als Gesell noch lebte, wurde er mit seiner teils sehr drastischen, bildlichen Ausdrucksweise von „klassisch linker Seite“ fehlverstanden (und aus dem Kontext gerissen). So schreibt die Berner Tagwacht 1922 unter der negativen Überschrift „Schwundgeld“ über die Natürliche Wirtschaftsordnung: „Die Stelle lautet (es ist nicht etwa Satire, sondern blutiger Ernst): ‚Immer feste druff! Arbeiter, Unternehmer, laßt euch unter keiner Bedingung die Maurerkelle aus der Hand winden. Schlagt sie tot, die, die euch von der Arbeit abhalten. Das sind eure Erbfeinde!‘ usw. (Silvio Gesell, Die natürliche Wirtschaftsordnung, Seite 18).“

5. Worte... zum Schluss

«Wer nicht nur Ungerechtigkeit mildern oder die Verhältnisse reparieren, sondern an der Wurzel verändern will, kommt am Umgang mit den Naturressourcen, insbesondere einer neuen, einer sozialen Bodenordnung, nicht vorbei.» 
Christa Luft, Wider den Marktradikalismus (2018), S. 13

Mit freundlichen Grüßen
Vlado Plaga und Tobias Schütze